Chancen für Kind und Eltern – der Aufenthalt in einer Kindertagesstätte

Ein Blick in die Nachbarländer zeigt: In Deutschland können Babys bereits im Alter von neun Monaten in die Kinderkrippe gebracht werden. Alternativ können Eltern ihren Nachwuchs oft schon mit zweieinhalb oder gerade einmal drei Jahren im Kindergarten unterbringen. Für Eltern in der Schweiz ist das reichlich ungewöhnlich, geht doch ein Kind in der Regel erst ab fünf Jahren in den Kindergarten.

Welche Chancen und Möglichkeiten der Aufenthalt in einer Kindertagesstätte jedoch bieten kann, soll der folgende Beitrag zeigen.

Grundlagen der Kinderbetreuung

Grundsätzlich zuständig für die Betreuung der unter Fünfjährigen sind selbstverständlich die Eltern. Ist eine Betreuung zuhause nicht möglich, steht die familienergänzende Betreuung im Frühbereich der Konferenz der kantonalen Sozialdirektorinnen und Sozialdirektoren (SODK) mit Rat und Tat zur Seite. In diesem Zusammenhang wurden im vergangenen Jahr Qualitätsvorgaben für die ausserfamiliäre Kinderbetreuung erlassen.

Besonders im Fokus stand die Qualität des pädagogischen Konzepts, der Interaktion und Förderung der Kinder sowie die Strukturen in Bezug auf die Grösse der Kindergruppe, die Raumgestaltung, die Öffnungszeiten und das pädagogische Fachpersonal. Auf Seite 14 der Studie zeigt ein Vergleich der Kantone, dass für die Kinderkrippen in Luzern kommunale Richtlinien gelten. Darin vorgegeben ist unter anderem ein Betreuungsschlüssel.

Chancen und Grenzen der institutionellen Kinderbetreuung

Eins vorweg: Ein klares Fazit wird es nicht geben, denn wer sich für die institutionelle Kinderbetreuung festlegt, hat Gründe ebenso wie diejenigen, die sich für eine ausschliesslich familiäre Betreuung entscheiden.

 

Das spricht für eine Krippenbetreuung

Das spricht gegen eine Krippenbetreuung

- In einer Kinderkrippe beginnt die Sozialisierung des Kindes früher als beispielsweise in der familiären Betreuung, denn selbst wenn Aktivitäten mit Gleichaltrigen unternommen werden, so gleicht das eher einem sporadischen Event statt einer regelmässigen Zusammenkunft.

- Kinder in Kinderkrippen profitieren davon, von anderen Kindern zu lernen. Oft ist es für die Kinder einfacher, sich dort alltägliche Abläufe wie das Anziehen und das Essen abzuschauen, als von den Eltern, die diese Aufgaben viel zu erwachsen für Kinder angehen.

- Wer auf eine Kinderkrippe setzt, damit Vater und Mutter wieder ihre Berufstätigkeit aufnehmen können, der gilt noch lange nicht als „schlechtes Elternteil“, denn oft sind Eltern, die nicht nur als Eltern fungieren, sondern auch ihren Mann oder ihre Frau im Job stehen ausgeglichener. Wer nicht unbedingt Vollzeit arbeitet, setzt in der Regel auf eine teilweise institutionelle Betreuung.

- In einer Krippe wird die Summe der Bezugspersonen und auch der täglich auf das Kind einprasselnden Reize bereits sehr früh sehr breit aufgestellt. Dass es dabei zu Beginn zur Reizüberflutung kommen kann, ist natürlich, legt sich aber mit der Zeit.

- Wer als Elternteil auf eine institutionelle Frühbetreuung setzt, muss damit rechnen, dass andere die temporäre Erziehungsarbeit übernehmen. Passiert dies nicht im Sinne der Eltern, ist es vergleichsweise schwierig, gegenzusteuern.

- Wer sich als Elternteil durch eine institutionelle Kinderbetreuung von der Erziehungsarbeit freispricht, hat etwas falsch verstanden, denn Eltern bleiben Eltern und sie übernehmen nicht nur ausserhalb der Kita-Öffnungszeiten die Betreuung, sondern sind massgeblich an der Prägung der Kinder beteiligt.


Keine Angst vor der Eingewöhnung

Wer sich für eine institutionelle Kinderbetreuung in einer Kindertagesstätte entschieden hat, bekommt nicht nur einen Kostenbescheid, sondern vereinbart auch einen Termin, zu dem die Eingewöhnung in der Kindertagesstätte beginnen soll. Das heisst: Ab diesem Zeitpunkt kommt das Kind in die Krippe. Die Eltern bleiben in der Regel (je nach dem individuellen Eingewöhnungskonzept der Einrichtung) so lange bei den Kindern, bis eine Trennung nicht mehr allzu dramatisch ist.

Mit diesen Tipps klappt’s mit der Eingewöhnung:

1.)    Zeit nehmen. Eltern sollten weder mit einem Bein auf dem Sprung sein, wenn sie das erste Mal mit dem Nachwuchs in die Krippe gehen, noch sollten sie im Kopf die Sorge haben „wenn die Eingewöhnung nicht binnen einer Woche klappt, kann ich meinen Job vergessen“. Der Druck, der durch den Zeitdruck aufgebaut wird, überträgt sich nämlich in der Regel auf das Kind – und zeigt sich oft sogar so: Je mehr das Elternteil versucht, das Kind „abzugeben“, desto mehr klammert das Kind.

2.)    Vorbereitung ist sinnvoll. War ein Kind noch nie von Vater oder Mutter getrennt, wird die Eingewöhnung vergleichsweise schwierig. Wer kann, sollte den Nachwuchs stundenweise daran gewöhnen, bei Oma, Opa, Tante oder einer guten Freundin zu bleiben, während Mama oder Papa beim Einkaufen sind. Wer diese Chance nicht hat, muss mit einer entsprechend längeren Eingewöhnungszeit rechnen.

3.)    Highlights schaffen. Je jünger das Kind ist, desto schwieriger ist es auch, ihm zu erklären, dass Mama oder Papa nur einen begrenzten Zeitraum nicht da sind, dann aber wieder voll einsatzfähig sind und auch eine bunte Freizeitplanung aufgestellt haben. Dabei kann ein Besuch im Tierpark oder auf dem Abenteuerspielplatz schon eine spannende Abwechslung sein – und der Nachwuchs merkt, dass die Eltern nicht weniger Zeit mit dem Kinder verbringen wollen, sondern nur nicht mehr allein für die Betreuung zuständig sind.

 

Abbildung: pixabay.com © OpenClipartVectors (CC0 Public Domain)

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